Das Ozonloch schließt sich früher als erwartet — und das ist kein Zufall

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Am 1. Dezember 2025 schloss sich das Loch in der Ozonschicht über der Antarktis — fast drei Wochen früher als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre.[1] Es ist eine Meldung, die leise daherkommt. Aber sie bedeutet viel.

Der europäische Klimadienst Copernicus (CAMS) bestätigte: Das Ozonloch 2025 war das fünftkleinste seit 1992 und bereits das zweite Jahr in Folge mit einer vergleichsweise geringen Ausdehnung.[1][2] Nach einer schwierigen Serie von 2020 bis 2023 — mit ungewöhnlich großen und langlebigen Löchern — zeigt die Ozonschicht wieder klare Erholungszeichen.

Was dahintersteckt

Die Ozonschicht liegt 15 bis 30 Kilometer über uns und schützt alles Leben auf der Erde vor ultravioletter Strahlung. Über der Antarktis öffnet sich jedes Jahr im südlichen Frühjahr ein Loch — verursacht durch sogenannte FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe), die über Jahrzehnte in Kühlschränken, Spraydosen und Klimaanlagen steckten.

2025 erreichte das Ozonloch auf seinem Höhepunkt eine Ausdehnung von durchschnittlich 18,7 Millionen km² — deutlich kleiner als der Rekord von 26,1 Millionen km² aus dem Jahr 2023.[2]

Der Grund für die Erholung ist das Montrealer Protokoll von 1987 — bis heute das einzige internationale Umweltabkommen, das von allen 197 UN-Staaten ratifiziert wurde. Seit seinem Inkrafttreten 1989 sinkt die Konzentration ozonschädigender Stoffe in der Stratosphäre messbar.

Wie direkt dieser Zusammenhang ist, belegte 2025 eine Studie im Fachjournal Nature: Ein Team um Susan Solomon vom MIT konnte mit einer statistischen Sicherheit von 95 Prozent nachweisen, dass der FCKW-Rückgang — und nicht natürliche Klimaschwankungen — die Hauptursache der Erholung ist.[3] Laurence Rouil, Direktorin des CAMS, kommentierte das Ergebnis dem Tagesspiegel gegenüber sinngemäß als Beleg dafür, was erreichbar ist, wenn Staaten koordiniert handeln.[4]

Was noch offen ist

Vollständige Entwarnung wäre verfrüht. Die WMO erwartet die vollständige Erholung der Ozonschicht über der Antarktis erst um das Jahr 2066 — außerhalb der Polarregionen noch später.[5] FCKW haben eine lange Lebensdauer in der Atmosphäre und werden noch Jahrzehnte nachwirken, auch wenn ihre Produktion längst eingestellt ist.

Einordnung: Die Jahre 2020–2023 hatten ungewöhnlich große Löcher — wahrscheinlich mitbedingt durch den Vulkanausbruch Hunga Tonga 2022, der große Mengen Wasserdampf in die Stratosphäre schleuderte.[1] Einzeljahre können stark durch externe Faktoren beeinflusst werden. Der langfristige Trend zählt mehr als die Ausreißer.

Was das für Aktivismus bedeutet

Das Ozonloch ist eines der wenigen Umweltprobleme, bei denen ein klarer Kausalzusammenhang zwischen internationalem Abkommen und messbarer Verbesserung besteht. Das macht es zu einem handfesten Argument: Internationale Umweltpolitik kann funktionieren — wenn sie verbindlich, wissenschaftsbasiert und breit getragen ist.

Diese Logik ist auf andere Bereiche übertragbar — und genau deshalb lohnt es sich, sie zu kennen und sichtbar zu machen.

Direkt aktiv werden: Die Kampagne Environmental Investigation Agency (EIA) dokumentiert weltweit illegale FCKW-Produktionen und macht Druck auf Regierungen, das Montrealer Protokoll durchzusetzen. Auf eia-international.org findest du aktuelle Berichte und Möglichkeiten, die Arbeit zu unterstützen.

Quellen

  • [1] Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS) / ECMWF (Dez. 2025): Ozonloch-Schließung. atmosphere.copernicus.eu
  • [2] NASA / NOAA (Nov. 2025): 2025 Ozone Hole Analysis. ozonewatch.gsfc.nasa.gov
  • [3] Wang, P. et al. (2025): „Fingerprinting the recovery of Antarctic ozone”. Nature — via weltderphysik.de
  • [4] Tagesspiegel (02.12.2025): „Klein und kurzlebig”. tagesspiegel.de
  • [5] WMO (2022): Scientific Assessment of Ozone Depletion. wmo.int

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